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Aktion

"soccer-mega-night" in der Böllenfalltorhalle am 15. / 16.11.2002

ANSTOSS

Auftakt zum Aktionsprogramm der AG K.O.B.R.A.

Kurzbeschreibung

der "soccer-mega-night" in der Böllenfalltorhalle am 15. / 16.11.2002 von 22:00 bis 6:00 Uhr
Eine Veranstaltung im Rahmen der bundesweiten Aktion "Gesicht zeigen"
Mit Unterstützung der "Aktion weltoffenes Darmstadt"

Grundlage

Jugendliche nachts von der Straße zu holen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich körperlich auszutoben, "überschüssige Kräfte" abzubauen, und keinen Frust oder Langeweile aufkommen zu lassen, in dem man ihnen den Zugang zu Sporthallen ermöglicht, ist anerkannter Ansatz aus der gewaltpräventiven Sport- und Jugendsozialarbeit.

Zielsetzung und Ablauf der "soccer-mega-night" - Aktion "Gesicht zeigen!"

Die "soccer-mega-night" gliedert sich in zwei wesentliche Elemente:

Die Werbekampagne

Bezug zur Aktion weltoffenes Darmstadt

Das Aktionsprogramm "ANSTOSS" der AG K.O.B.R.A.

Konzept

Vorbemerkung

Die Jugendlichen nachts von der Straße zu holen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich körperlich auszutoben, "überschüssige Kräfte" abzubauen, und keinen Frust oder Langeweile aufkommen zu lassen, in dem man ihnen den Zugang zu Sporthallen ermöglicht, ist der Ansatz aus der gewaltpräventiven Sport- und Jugendsozialarbeit.

Jugendliche haben heute auch in Deutschland veränderte Freizeitgewohnheiten. So bevorzugen sie z.B. Zeiten ab 22.00 Uhr bis in die frühen Morgenstunden zum gemeinsamen Ausgehen. Aber, gerade nachts und hier vor allem an den Wochenenden langweilen sich Jugendliche sehr häufig, da es vielfach an guten und kostengünstigen Freizeitangeboten fehlt. Kostenlose Mitternachtsangebote in dieser Zeit - dies war die Überlegung - sind für nicht nur für latent gewaltbereite und suchtgefährdete Jugendliche sehr attraktiv und bieten eine Alternative zum Herumhängen auf der Straße, in Clubs, Kneipen oder Discos. Aus diesen Überlegungen heraus wurden auch für Darmstadt folgende Zielsetzungen formuliert:

Seit drei Jahren veranstaltet die AG K.O.B.R.A. regelmäßig in den Monaten September bis Mai (jeweils eine Veranstaltung Freitags von 22:00 - 2:00 Uhr mit 80 - 120 BesucherInnen) "soccer-nights", deren Konzept auf der Basis der obigen Überlegungen immer wieder modifiziert und aktualisiert wurde (siehe Anlage).

Es hat sich herausgestellt, dass dieses Angebot nicht nur von StammbesucherInnen der Jugendeinrichtung, die sich in der AG K.O.B.R.A. zusammengeschlossen haben genutzt wird, sondern dass darüber hinaus Jugendliche angesprochen werden, die in der offenen Jugendarbeit nicht oder nur selten auftauchen.

Bemerkenswert ist überdies, dass das distanzierte Verhältnis der Jugendlichen aus unterschiedlichen Häusern (und damit oftmals auch anderer Ethnien) untereinander durch den sportlichen Wettkampf, der hart aber fair ausgetragen wird, überwunden oder zumindest deutlich aufgeweicht werden kann.

So wird über das Medium Sport, das zwar Gegner, aber keine Feinde kennt, Toleranz, Akzeptanz, Fairness und konstruktive Konfliktbewältigung ermöglicht und eingeübt.

Ein wesentliches Element besteht darin, dass auf den drei Spielfeldern (gespielt wird jeweils acht Minuten, drei gegen drei SpielerInnen) PädagogInnen als "court watcher" agieren. Sie nehmen dabei keine Schiedsrichterposition ein - Regelwidrigkeiten und deren Konsequenzen müssen die KontrahentInnen untereinander regeln - sondern sie fungieren als ZeitnehmerInnen und im äußersten Fall als ModeratorInnen bei Auseinandersetzungen zwischen den Teams. Als positiv ist zu werten, dass die Jugendlichen somit "nebenbei" das pädagogische Personal kennen und einschätzen lernen können - eine weitere Hilfe bei der Überwindung von Vorurteilen und Vorbehalte gegen andere Jugendhäuser.

Zielsetzung und Ablauf der "soccer-mega-night" - Aktion "Gesicht zeigen!"

Die "soccer-mega-night" gliedert sich in zwei wesentliche Elemente: zum einen in den sportlichen Teil, zum andern in das kulturelle Rahmenprogramm.

Der sportliche Teil soll im wesentlichen unverändert gegenüber den sonstigen soccer-nights bleiben. Es wird auf drei Spielfeldern drei gegen drei gespielt - es sind also immer 18 Jugendliche "am Ball".

Die Dauer der einzelnen Spiele hängt von der Gesamtzahl der SpielerInnen ab und variiert zwischen fünf und acht Minuten - jedoch insgesamt doppelt so lang als üblich, um mehr Jugendlichen einerseits die Möglichkeit zum Kicken und andererseits Zeit für das Rahmenprogramm zu bieten. Gedacht ist allerdings an die Eröffnung des Abends durch den symbolischen Anstoß eines prominenten Fußballers vom SV Darmstadt 98 und an die Vergabe von T-shirts an die aktiven SpielerInnen der "soccer-mega-night".

Das kulturelle Rahmenprogramm findet auf der Tribüne und im Foyer der Böllenfalltorhalle statt. Hier soll neben Verpflegung mit Essen und Getränken, Raum sein für die positive (Selbst)darstellung jugendlichen Kulturausdruckes. So werden Musikgruppen, DJ's und Breakdancer, die vorwiegend aus dem multikulturellen Kreis der JugendhausbesucherInnen kommen, eine Bühne und ein breites Publikum für ihre - möglicherweise ersten - Auftritte finden.

Diese Chance, die eigene Kultur, eigene Ergebnisse, gemeinsam entwickeltes Selbstbewusstsein aus dem Verborgenen der Proberäume in die Öffentlichkeit bringen zu können, ist in sich Akzeptanzentwicklung und damit Kern eines toleranten Umgangs miteinander.

Die Werbekampagne

Es ist zu erwarten, dass die "soccer-mega-night" auch ohne besondere Werbemaßnahmen gut besucht sein wird. Dafür sprechen die Erfahrungen mit der Öffentlichkeitsarbeit zu den üblichen soccer-nights. Einfache flyer, die in den Jugendeinrichtungen verteilt werden und eine knappe Pressemitteilung reichten bisher immer aus, um so viele Jugendliche zu mobilisieren, dass oftmals schon die Grenze des Möglichen erreicht wurde.

Wenn im Vorfeld der "soccer-mega-night" eine breite Kampagne angelegt wird, dann mit der Absicht, über den besonderen Event (der auf Grund der Konzeption mehr Publikum verträgt) das Alltägliche einer an Akzeptanz orientierten und Toleranz fördernden Jugendarbeit in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken. Es geht dabei nicht so sehr darum, die AG K.O.B.R.A. bzw. die darin zusammengeschlossenen Einrichtungen zu profilieren, sondern um die Förderung gesellschaftlicher Akzeptanz jugendlicher Kulturformen und kultureller Ausdrucksweisen. Allzu oft geschieht nämlich, dass Jugendliche, die deutlich machen, was ihre Interessen und Bedürfnisse, aber auch ihre Brüche und kritischen Anfragen an die Gesellschaft sind, als laut und lästig beschrieben werden. Wenn dieses Klischee durch Transparenz ersetzt wird, wenn Ziele und Absichten von Jugendarbeit und Jugendeinrichtungen einer breiten Öffentlichkeit deutlich werden können, dann ist dies der wesentliche Grundstein einer wachsenden Toleranz. Was bekannt und bewusst ist, lässt sich kritisch begleiten, hinterfragen und möglicherweise gemeinsam ausloten.

Diese Zielsetzungen liegen u.a. der Idee zum Aktionsprogramm "ANSTOSS" zugrunde (s.u.) deren Auftakt die "soccer-maga-night" darstellt.

Als ideologische Partner für die "soccer-maga-night" (und möglicherweise für weitere Veranstaltungen) konnten bisher der Sportverein SV Darmstadt 98 - einer der ersten Fußballvereine in Deutschland, der sich klar und deutlich gegen Fremdenfeindlichkeit in Fanclubs und für eine integrative (Vereins-)Politik ausgesprochen hat - und das "Darmstädter Echo" - das die Aktivitäten der AG K.O.B.R.A. im Rahmen des Aktionsprogrammes "ANSTOSS" mit Hintergrundinformationen und -berichten begleitet - gewonnen werden. Weitere Sponsoren sind derzeit angefragt, können aber beim derzeitigen Stand der Projektentwicklung aus verständlichen Gründen (noch) nicht öffentlich genannt werden

Bezug zur Aktion weltoffenes Darmstadt

Ebenso wie die besondere Veranstaltungsform dieser "soccer-mega-night" machen die regelmäßigen Mitternachts-Sport-Angebote und die alltägliche Praxis in den Einrichtungen der AG K.O.B.R.A. deutlich, dass eine akzeptierende, multikulturell ausgerichtete Arbeit mit Jugendlichen mit hohen Anforderungen an die Qualität von Beziehungsarbeit verbunden ist. Sicherlich in den verschiedenen Einrichtungen mit unterschiedlichem Tempo und Erfolg. Präventive Jugendarbeit ist ein Prozess in dem Gesicht zeigen immer wieder in neuen Situationen erlernt und eingeübt werden muss.

Das Ziel ist das Erlangen eines Selbstbewusstseins, das ohne Diffamierung und Ausgrenzung in einer vielfältigen Gesellschaft bestehen kann. Der Weg dorthin ist nicht gradlinig sondern häufig von Umwegen und Auseinandersetzungen, manchmal auch Rückschlägen geprägt.

Toleranz und Zivilcourage können nicht einfach gefordert werden. Sie können im Erlernen und Erleben von Beziehungs- und Bindungsfähigkeit entstehen, um eine weltoffene menschliche Einstellung als gesellschaftlichen Standard zu entwickeln.

Das Aktionsprogramm "ANSTOSS" der AG K.O.B.R.A.

Die "soccer-maga-night" ist Auftakt eines Aktionsprogrammes mit unterschiedlichen, nachhaltigen und nichtalltäglichen Aktionen der AG K.O.B.R.A. in den nächsten zwei Jahren. Als Beispiele seien einige der bisher projektierten Veranstaltungen stichwortartig genannt und kurz beschrieben:

für die AG K.O.B.R.A.
Hans-Gunther Seifert
im September 2002

WIR MACHEN WAS WIR WOLLEN